Das Museum Wustrow im Hannoverschen Wendland hat wechselnde Ausstellungen.

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Daneben sind aber auch Dauerausstellungen etabliert. Diese sind zum einen der Colonialwarenladen sowie die Ausstellung DDR-Konsum.

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“STADT | LAND | FLUCHT – Vom Weggehen und Ankommen”

Eröffnung am Pfingstsonntag, den 4. Juni 2017 um 11:00 Uhr.

Finden Sie die Hörbeiträge und weitere Informationen zur Ausstellung Stadt Land Flucht unter museum-wustrow.de/flucht (hier klicken)

Stadt Land Flucht. Vom Weggehen und Ankommen im Wendland. Ausstellung ab 4. Juni 2017 im Muesum Wustrow

Das Museum Wustrow hat die persönliche und gesellschaftliche Dimension von Flucht, Zwangsmigration und Zuwanderung, Stadt- und Landflucht erforscht. Wie gelingt das Heimisch-Werden und wie verändert sich der Landkreis Lüchow-Dannenberg durch die „Hinzugekommenen”? Die Menschen, die aus den Großstädten zuwandern, tun es freiwillig und erfreuen sich der ländlichen Idylle des Landkreises Lüchow-Dannenberg. Diejenigen, die von hier abwandern, müssen oder wollen aus Ausbildungs- und Beschäftigungsgründen gehen.
P1130221_minDas Wendland war und ist damit ungewollter oder ersehnter Zufluchtsort. Menschen, die durch politische Zwangsmaßnahmen, Krieg oder existenzgefährdende Notlagen gezwungen wurden, ihre Heimat auf Dauer oder vorübergehend zu verlassen, suchen Unterkommen, Arbeit, Anerkennung, eine neue Heimat.
Lüchow-Dannenberg nahm nach dem 2. Weltkrieg große Mengen von Flüchtlingen und Vertriebenen auf, die Bevölkerung wuchs. Im Laufe von etlichen Jahren fühlten sie sich hier größtenteils zu Hause, waren „aufgenommen“, sie veränderten und stärkten den Landkreis Lüchow-Dannenberg. Den hohen Zuwanderungen in diese schwach besiedelte Region in der Grenzlage zur DDR folgte danach aber auch ein entsprechend hoher Bevölkerungsschwund. Das Wirtschaftswunder sog Arbeitswillige in den Westen der Bundesrepublik ab.

Viele Jahre später wurden neue Flüchtlinge aus der DDR, Bosnien, Vietnam, Ungarn … hier aufgenommen. Nur wenige blieben.02_170108-2_Aufruf_Postkarte_A6-2
Heute erleben wir Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran und afrikanischen Staaten. Neue „Fremde“ – ein Begriff, der den Blick auf das subjektive Erleben von Begegnungen richtet zwischen denen, die hier zu Hause sind und jenen, die hier als Fremde behandelt werden. Ämter und Einwohner bemühen sich um Hilfestellung beim Heimisch-Werden, die Geflohenen um Integration. Das Wort „Willkommenskultur“ Während das Wort „Flüchtling“ und die erschreckenden Bilder dahinter lange Zeit nur unsere Nachrichten beherrschten, sind die Geflohenen nun mitten in unserem Alltag angekommen. Das hat die Diskussion verändert. In die Bekundungen von Mitgefühl und Hilfe – das Wort „Willkommenskultur“ macht die Runde – mischt sich nun eine diffuse Angst vor den „Fremden“. Man redet über Schutz der Landesgrenzen und Einführung von Obergrenzen und Landesgrenzen. Für einige scheinen die vor Bedrohung Fliehenden selbst zur Bedrohung geworden zu sein. Eine Million neue „Fremde“ sind ab 2015 in unser Land gekommen. Hinter dieser Zahl stehen reale Menschen, die nun unsere Gesellschaft mit formen. Eine Tatsache, mit der wir umgehen lernen müssen.

Scan10407Das MUSEUM WUSTROW befasst sich seit 1988 mit der Flüchtlingsproblematik, hat Interviews durchgeführt, eine umfangreiche Ausstellung erarbeitet und eine Publikation 1991 dazu herausgebracht. Die damaligen Forschungsergebnisse sind teilweise in die neue Ausstellung STADT | LAND | FLUCHT eingeflossen. Der Blick zurück trägt dazu bei, die heutige Situation besser zu verstehen.

 

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Ankündigung der Eisenbahnausstellung

Ausstellung über das Eisenbahnunglück in Karwitz 1939

Als Vorspann zur anstehenden großen Eisenbahn-Ausstellung 2018 zeigt das Museum Wustrow ab Frühjahr 2017 im Kabinetts-Raum [Museumscafé] eine Dokumentation zum Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Karwitz vom Oktober 1939. Am Ende des zweiten Kriegsmonats strandete eine Gruppe Fronturlauber aus Dannenberg und Umgebung nach langer Fahrt vom Westwall gegen Mitternacht in Uelzen. Der Bahnhofsvorsteher zeigte Verständnis und ließ einen Schnellzugwagen aus der Betriebsreserve in einen abfahrbereiten Güterzug nach Dannenberg einrangieren.

Die Soldaten stiegen ein und der – nunmehr – „Güterzug mit Personenbeförderung (GmP)“ fuhr los, erreichte gegen 1 Uhr nachts Karwitz und krachte, infolge falscher Weichenstellung, auf einen dort wartenden Gegenzug. Die Lokomotiven verkeilten sich ineinander und kippten um. Der Schnellzugwagen mit den Soldaten wurde zerquetscht; die nachdrängende Masse des Güterzuges sorgte dafür, dass drei der mit Stroh beladenen Wagen über den Unglücksort geschoben wurden. Sie fingen sofort Feuer, die Unglücksstelle wurde zum Inferno. –

Die seit Jahren monatlich im Museum tagenden Eisenbahnfreunde aus Bergen, Dambeck, Dannenberg, Schnega, Teplingen und Wustrow versuchen anhand dürftiger Zeitungsberichte (es herrschte Krieg!), alter Gleispläne und der Traueranzeigen für die tödlich Verunglückten – und durch ihr spezielles Fachwissen, das Unglücksgeschehen zu rekonstruieren. Es gelang den Bahn-Experten, Nachkommen der Opfer aufzuspüren und noch das eine oder andere Relikt aufzutreiben. Selbstverständlich wurde auch eine Ortsbegehung der heutigen Karwitzer Bahnanlagen vorgenommen