Wandmalereien im Museumshaus

Das Museumshaus ist ein Zeugnis des wirtschaftlichen Aufschwungs nach 1871. Die stilprägende Kraft der Gründerzeit war der Historismus oder Elektizismus mit seinem pluralistischen Rückgriff auf das Mittelalter.

Der Berliner Architekt Otto Willrich wurde beauftragt, das Lüringsche Wohnhaus zu planen und ausführen zu lassen. Als das Gebäude 1981 vom Museumsverein Wustrow gekauft wurde, war von den einst aufwendigen historischen Wandmalereien nichts mehr zu sehen. Diese wurden erst bei Reparaturarbeiten wiederentdeckt.

Mitglieder des Museumsvereins als Hilfskräfte, vor allem aber Volontäre der Restaurierungswerkstatt im Museum legten unter Anleitung der Restauratorin Ursula Tinius die Bemalungen frei. Die Finanzierung der Restaurierung wurde ab 1986 durch großzügige Mittel aus dem Niedersächsischen Toto-Lotto und Mitteln des Arbeitsamtes ermöglicht.

Mit einigen Unterbrechungen waren Barbara Haebler und Gisela Krome von Anbeginn an der Treppenhaus-Restaurierung tätig. Sie führten diese Arbeit bis September 1994 in eigener Verantwortung zu Ende.

“Die Wertschätzung der Hinterlassenschaft des späten 19. Jahrhunderts als eigenständige künstlerische Leistung ist noch nicht alt. Um so größer sind die Verluste, die durch Unverständnis und Ablehnung noch bis in die jüngste Vergangenheit gerade an der Inneneinrichtung und Ausmalung von kirchlichen und profanen Gebäuden eingetreten sind. Dies ist umso bedauerlicher, als gerade der Historismus in seinem künstlerischen Schaffen die Einheit von Architektur, Skulptur und Malerei in besonders typischer Weise hergestellt hat, so dass mit der Zerstörung von Farbfassungen nicht nur beliebig austauschbare Anstriche, sondern wesentliche Bestandteile von Gesamtkunstwerken verloren gegangen sind.” (Zitat U. Mainzer)