Erinnerungen an Wustrows Rudolphstraße, genannt ‚Kolonie‘

kolonieUnter den hunderten von Gassen, Wegen und Straßen Lüchow-Dannenbergs gehört die Wustrower Rudolphstraße zu den wenigen historisch bedeutsamen Adressen. In den Jahren 1906 bis 1908 zwischen Wustrow und Blütlingen als Privatstraße der Bergbaugesellschaft Teutonia erbaut, dienten die 20 gleichartigen Häuser für zwei Jahrzehnte als Zechenkolonie für 80 Bergarbeiterfamilien.

Vor Jahren stellte das Museum Wustrow in der Ausstellung „Kali + Leinen“ die funktionalen Merkmale und architektonischen Besonderheiten dieser Wohn- und Nebengebäude vor. Jetzt geht es den Wustrower Museumsleuten vorrangig um die Erinnerungen, die nachfolgende Generationen nach der Stilllegung der Schächte Ende der 1920er Jahre an das Leben und Treiben in der sogenannten „Kolonie“ hatten bzw. haben. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein computergenerierter Film, der Fakten jener Jahre, Interviews mit Bewohnern und historische Fotos verbindet.

Die Kolonie-Schau wird am Sonntag, 11. September 2016 um 16 Uhr eröffnet. Zu Beginn gibt Dr. Rolf Meyer eine Einführung zum Thema „Eine Straße sucht ihre ehemaligen Bewohner“.  (Infos: 05843-429)

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„WendAll“®  – März bis Herbst 2016

Die Ausstellungsidee

Warum umgeben wir uns mit Dingen, warum heben wir Sachen auf? Was bedeutet uns ein Sofa, ein Auto, ein Krückstock, ein Foto, eine alte Zeitung? Welche „Beziehung“ unterhalten wir zu unserer Lieblings-Kaffeetasse?

Seit den 1970er Jahren vermittelt das Museum Wustrow historische Zusammenhänge Lüchow-Dannenbergs anhand von gesammelten Materialien aller Art, die überwiegend von hier stammen oder zum Wendland einen nachvollziehbaren Bezug haben. Präsentiert wird in Wechselausstellungen die (Zeit-)Geschichte der verflossenen  150 Jahre. Die Frage lautet: Wie vollzieht sich der Erinnerungseffekt und das Staunen oder ein Kopfschütteln beim Betrachten eines alten Werkzeugs, etwa einer Haar-Brennschere, und wie der Nachdenk-Effekt beim „in-die-Hand-nehmen“ eines NSdAP-Parteiabzeichens, oder einer Bahnfahrkarte von Wustrow nach Salzwedel von 1944, oder einer alten EJZ-Ausgabe von 1953?

Mittels der geplanten  Ausstellung „zur Erforschung und Deutung des WendAlls“ blickt das Museum Wustrow auf diese jahrzehntelange Sammeltätigkeit und auf -zig Ausstellungen zurück. Es schärft dabei gleichzeitig den Blick für den Aufnahme- /Entgegennahme-Mechanismus von neuen Erinnerungsstücken als (Leih-)Gaben, die das Museum Wustrow seit seinem Bestehen und insbesondere durch die derzeitige kreisweite Aktion „Temporäre Satelliten“ erhält: Welchen Weg nehmen Objekte, die Leihgeber an das Museum Wustrow abgeben? Und inwiefern ermöglichen einzelne Objekte, die das Museum sammelt, den Museumsmachern wie den Besuchern die Beschreibung und Deutung des Wendlandes aus dem unendlichen Sach- und Erinnerungskosmos „WendAll“?

Welchen Rang haben dabei dingliche Abbilder des Wendland-Mosaiks wie Ortsschilder,  Einwohnermeldebücher, Rechnungen, Zeugnisse, Tanzbänder, Zeitungsbände, Straßenkarten? Warum Regionalia sammeln, und sei es vagabundierendes Material von Flohmärkten, Müllkippen, Haushaltsauflösungen? Was gibt es zu entdecken, was wird gesucht, was ist verschollen? Was sagen die Materialien aus, welche Informationen und Geheimnisse sind ihnen zu entlocken? Können sie als Geschichts- bzw. Geschichtenträger dienen, können sie ggf. sogar wendlandidentitätsstiftend wirken? Welche bis dato unbearbeiteten zeitgeschichtlichen Themen sollten von der hiesigen Museumslandschaft aufgegriffen werden? Diesen Fragen soll in der Ausstellung „WendAll“ nachgegangen werden.

Die Ausstellung „WendAll“ erstreckt sich über sieben Räume des Museums. Ausgewählte Exponate veranschaulichen beispielhaft das breite Themenspektrum der Sammlungs- und Ausstellungstätigkeiten des zeitgeschichtlichen Museums Wustrow.