Flüchtlinge im Landkreis Lüchow-Dannenberg 1945 – 1950

Ausstellung im Museum Wustrow 1990 – 1992

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg war in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit Anlaufs- und Durchgangsgebiet für Flüchtlinge und Vertriebene aus Ost- und Westpreußen, Pommern und Schlesien. In der Nachkriegszeit strömten „illegale Grenzgänger“ aus der damaligen SBZ (sowjetische Besatzungszone) über die „grüne Grenze“ in den Kreis. Die Bevölkerung nahm zeitweilig um fast 100 Prozent zu. Niedersachsen galt neben Schleswig-Holstein und Bayern als eines der Hauptaufnahmegebiete für Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit.

Ziel der Ausstellung war, diese Zeit aus der Sicht der betroffenen Menschen darzustellen: ihren Alltag, ihre Lebensweisen und –gewohnheiten, ihre soziale und emotionale Erfahrungswelt, ihre Leiden, Hoffnungen und Ängste, ihr Mitgefühl, ihre Vorurteile. Die Ausstellung sollte aber auch zum Nachdenken über die Probleme von Flüchtlingen der heutigen Zeit anregen. Gerade im Hinblick auf die gegenwärtige politische Situation, in der die stete Auseinandersetzung mit der Flüchtlings- und Vertriebenenproblematik zur Notwendigkeit geworden ist, erhielt die Wustrower Ausstellung einen aktuellen Bezug.

Zur Ausstellung des Museums Wustrow ist ein umfangreiches Begleitbuch (mit 180 Abb.) erschienen. Das Buch kann über den Museumsverein Wustrow bestellt werden. Postanschrift: Museumsverein, Blumenthalstraße 3, 29462 Wustrow.

Dietrich Banse, Elke Meyer-Hoos, Dagmar Brodmann (Hrsg. ), FREMDE – Flüchtlinge im Landkreis Lüchow-Dannenberg 1945 – 1955, Wustrow 1992, Museumsverein Wustrow, Lange Str. 9, 29462 Wustrow, ISBN 3 925861 08 4

Aus dem Inhalt des Begleitbuches:

Dagmar Brodmann, Flüchtlinge im Kreis Dannenberg 1945; Dagmar Brodmann, Elke Meyer-Hoos, Jobst H. Müller, Flucht aus Karnitz/Pommern; Elke Meyer-Hoos, Man schlägt sich so durch, Arbeitsbeschaffung und Existenzgründung von Flüchtlingen und Vertriebenen 1945 – 1955 im Landkreis Lüchow-Dannenberg, dargestellt an Beispielen; Dietrich Banse, „Die kleinen Republiken“, Die administrative Behandlung von Flüchtlingsangelegenheiten in Bergen; Sigrid Banse, Elke Meyer-Hoos, Berichte von Zeitzeugen; Karl-Heinz Briesenick, Arbeit im Kreisflüchtlingsamt; Elke Meyer-Hoos, Passanten des kleinen Grenzverkehrs; Unser Ansehen mußten wir uns erst erwerben…, Ausschnitte aus einem Interview mit Helene Rogoll; Volksschule in Lüchow 1946 – 1949, Ausschnitte aus einem Interview mit Anneliese Klein;

Angaben zur Entstehung und Entwicklung des Gymnasiums Lüchow; Schüleraufsätze; Günter Schneider, Ein Stück Geschichte: So fing es an in Hitzacker; Max Haehnelt, Der Igel erzählt …; Dagmar Brodmann, Elke Meyer-Hoos , Dokumentation „Wohnen“; Ulrich Grützner, Die soziale Struktur des Kreises Dannenberg nach dem Zweiten Weltkrieg, 1949; Hans-Ludwig Reinbold, Der Heringsexpress; Alexander von Plato, „Wir leben auch unter keinem anderen Stern als ihr“, Flüchtlinge und Umgesiedelte in der SBZ und DDR im Vergleich zur Bundesrepublik; Ernst Block, Zur Lage der Umsiedler im Kreis Salzwedel 1945/46; Dietrich Banse, Das Außenlager Salzwedel-KZ Neuengamme, Eine Dokumentation; Dagmar Brodmann, Einige Bemerkungen zum Thema Heimat und Vertriebenen-Organisationen; Eberhard Malitius, Ansprache zum 17. Juni 1989; Dagmar Brodmann, Bilder einer Ausstellung, „Fremde – Flüchtlinge im Landkreis Lüchow-Dannenberg 1945 – 1950“.

Fremde sind Leute

Fremde sind Leute,

die später gekommen sind als wir:

in unser Haus, in unseren Betrieb,

in unsere Straße,

unsere Stadt, unser Land.

Die Fremden sind frech:

Die einen wollen so leben wie wir,

die anderen wollen nicht so leben

wie wir.

Beides ist natürlich widerlich.

Alle erheben dabei Ansprüche

auf Arbeit,

auf Wohnungen und so weiter,

als wären sie normale Einheimische.

Manche wollen unsere Töchter

heiraten,

und manche wollen sie sogar

nicht heiraten,

was noch schlimmer ist.

Fremdsein ist ein Verbrechen,

das man nie wieder gut machen

kann.

Gabriel Laub

(Download: http://www.zeit.de/1970/09/fremde)