Der Literarische Salon 2015 ist hier archiviert!

Der Literarische Salon wird auch in 2016 im Museum Wustrow fortgeführt. Das Programm finden Sie unten.

Das Museum Wustrow bietet in dem ehemaligen Lüringschen Wohnhaus aus der Zeit des Historismus beeindruckende Räumlichkeiten und eine einzigartige Atmosphäre. Es ist als Ort für Kulturveranstaltungen von Ausstellungen über Lesungen und Musikdarbietungen etabliert und geschätzt und das Team des Museums freut sich über diese Bereicherung seines Gesamtprogrammes.

Der Literarische Salon findet immer auf einen Sonntag statt und beginnt regelmäßig um 17:00 Uhr im Museum Wustrow.

Jahresprogramm 2016:

Sonntag, den 7. Februar 2016

ZWISCHEN DEN ZEILEN – Franz Fühmann
„Künstler ist, wer nicht anders kann – und dem dann nicht zu helfen ist.“ Das war wohl das Fazit eines schwierigen Schriftstellerlebens. Franz Fühmann (1922-1984) gehört zu den wichtigsten Autoren der DDR. Rund um die Uhr observiert, in ständigem Kampf mit der Zensur, versuchte er, dem Programm des Sozialistischen Realismus Eigenes entgegenzuschreiben. Seinem Gesamtwerk ist im Rahmen einer Lesung nicht gerecht zu werden.
Aber auch in den Büchern, die er für Kinder schrieb, entdecken wir einen Schriftsteller, der sich durch die SED-Zensur nicht zähmen ließ. In seiner zunehmenden Isolierung wurden ihm Kinder sein liebstes Lesepublikum. Federleicht, oft scheinbar albern, wird hier der Real Existierende Sozialismus entlarvt – für die, die zwischen den Zeilen lesen konnten. Und das war etwas, worin die Leser in der DDR – im Gegensatz zu den Bundesbürgern, die das nicht nötig hatten – sich auskannten.
Der Literarische Salon im Museum Wustrow versucht eine Annäherung an Franz Fühmann.

Lesung: Nina Weniger

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Sonntag, den 10. April 2016

Thomas Mann: DER ERWÄHLTE
Die Vorlage stammt aus dem Mittelalter; ein Versepos über Inzest und nochmal Inzest – und Scham, Reue, Buße über Buße und dann ein überraschender Schluss. Siebenhundert Jahre später geriet Thomas Mann an die schockierliche Geschichte. Er muss sich köstlich amüsiert haben, denn sein 1951 erschienenes Alterswerk funkelt von Witz und Ironie.
Hartmann von der Aue: GREGORIUS – Thomas Mann: DER ERWÄHLTE.
Der Literarische Salon im Museum stellt Szenen aus beiden Texten vor und zeigt, was Thomas Mann aus der frommen Vorlage gemacht hat.

Der Schauspieler Gero Wachholz gestaltet die Lesung.

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Sonntag, den 10. Juli 2016

Otto Julius Bierbaum, Die Yankeedoodle-Fahrt. Eine Kreuzfahrt vor 100 Jahren  mit dem Doppelschraubendampfer durchs Mittelmeer bis zu den Pyramiden.

Der Literarische Salon des Museums Wustrow geht auf Reisen mit Otto Julius Bierbaum im Jahr 1907. Bierbaum (1865-1910) war zu seiner Zeit  ein Bestseller-Autor. Seine Yankeedoodle-Fahrt gehört in die Sparte „Klassische Reiseberichte“ als frühes Beispiel einer Pauschalreise zur See. Heute ist die Kreuzfahrt eine der beliebtesten Urlaubsbewältigungen – Havarien eingeschlossen. Die Ziele einer Mittelmeerreise sind so ziemlich die gleichen geblieben: Genua, Sizilien, Malta, der Nil, Jerusalem, Konstantinopel. See the World in 14 days! Der Literarische Salon hofft auf erfahrene Kreuzfahrer im Publikum, die berichten können, ob sich seit den Tagen des Doppelschraubendampfers Yankeedoodle da viel geändert hat.

Es liest Wolfgang Kaven.

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Sonntag, den 04. September 2016

Victor Klemperer, DIE SPRACHE BRINGT ES AN DEN TAG, Die Sprache des Dritten Reiches.

1935 wurde dem bekannten Romanisten Victor Klemperer die Professur an der TH Dresden entzogen: Klemperer war Jude. Es folgten: Verbot, öffentliche Bibliotheken zu benutzen, Kinos und Theater zu besuchen, Radiosendungen zu hören. Jede wissenschaftliche Arbeit war für ihn unmöglich.

In seinen Tagebüchern begann Viktor Klemperer, die Sprache der Nazis zu sammeln. Jeder erreichbare bedruckte Fetzen Papier, jede aufgeschnappte Rede wurde zur Quelle. Seine „arische“ Frau Eva – die „Mischehe“ schützte ihn vor der Deportation – brachte die Notizen zu einer Freundin, die sie versteckt bis zum Ende des Dritten Reichs aufbewahrte. Paradoxerweise war es die Dresdener Bombardierung, die Klemperer vor der Ermordung bewahrte.

1947 erschien seine Untersuchung zur Sprache des totalitären Systems der Nazis unter dem Titel „LTI (Lingua Tertii Imperii) – Notizen eines Philologen“. Sie gehört neben Klemperers Tagebüchern 1933-1945, 2 Bände, zu den wichtigsten Materialien über den Nationalsozialismus.

Es liest Gero Wachholz.

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Sonntag, den 13. November

Martin Andersen Nexö: Bornholmer Novellen

Das Essen schmeckt mir besser, wenn ich weiß, dass auch andere satt werden” – So das kleine kommunistische Manifest des dänischen Schriftstellers Martin Andersen Nexö (1869-1954). Arbeiterliteratur nicht als Propaganda, sondern warmherzig und humorvoll aus der eigenen Erfahrung einer bitterarmen Kindheit. In “Pelle der Eroberer”, seinem bekanntesten Werk, hat er seine Erinnerungen verarbeitet.
Bornholm, das Mallorca des Nordens. Für viele nur ein wunderbares Urlaubsziel.- Andersen Nexö zeigt uns den Alltag auf der Ostseeinsel am Anfang des 20zigsten Jahrhunderts. So wie auch auf den Nordseeinseln war das Leben damals ein Kampf ums Überleben. Und da brauchte es nicht nur Kraft, sondern auch Witz und Fantasie.

Wolfgang Kaven liest zwei der Bornholmer Novellen.