Für Sie dokumentieren wir hier das Programm des Literarischen Salons 2014:

“Das Programm des Literarischen Salons wird im November mit einer Lesung von Gero Wachholz im Museum Wustrow fortgeführt. Die bisher in der Villa Wendland durchgeführte Veranstaltung wird also in ähnlich stilvoller Atmosphäre weitergehen. Das Museum Wustrow bietet in dem ehemaligen Lüringschen Wohnhaus aus der Zeit des Historismus beeindruckende Räumlichkeiten und eine einzigartige Atmosphäre. Es ist als Ort für Kulturveranstaltungen von Ausstellungen über Lesungen und Musikdarbietungen etabliert und geschätzt und das Team des Museums freut sich über diese Bereicherung seines Gesamtprogrammes.

Sonntag, 17. November 2013 um 17.00 Uhr liest Gero Wachholz Ödön von Horvath (1901-1938): KLEINE PROSA

“Heimat kenne ich nicht… Mein Vaterland ist das Volk”. Das war von Horvaths literarische Maxime und zugleich kurzgefasst seine Autobiografie. Obwohl aus der sogenannten besseren Gesellschaft stammend gestaltete er in seinen Theaterstücken und Prosatexten das Leben der Unterprivilegierten. Er trieb sich auf Rummelplätzen, in Sportstadien und billigen Kneipen herum, um die Sprache der einfachen Leute zu erfassen. Als die Nazis an die Macht kamen wurden seine Stücke verboten. Er hielt sich als Zeitungsschreiber über Wasser.

JAHRESPROGRAMM LITERARISCHER SALON  2014

Januar 2014: VATER DER AMERIKANISCHEN LITERATUR – Washington Irving (1783-1859)

Er war der erste Amerikaner, der vom Schreiben lebte; den Beruf Schriftsteller gab es in den Vereinigten Staaten zu seiner Zeit noch nicht. Heute sind Übersetzungen seiner Bücher Raritäten. Indirekt kennt man ihn schon: Durch den witzigen Gruselfilm “Sleepy Hollow” mit Jonny Depp. Washington Irving hatte die Sage vom kopflosen Reiter in Deutschland gefunden und schlicht und einfach ins Hinterland von New York verlegt. Sie gehört heute zum echten amerikanischen Sagengut.

Irving verbrachte viele Jahre in Europa; reiste und sammelte Stoff für Erzählungen. Und er schrieb eine satirische Geschichte der Gründung von New York – New Amsterdam hieß die Stadt eigentlich, bis die Engländer sie den Holländern wegnahmen.

Wolfgang Kaven stellt den literarischen Pionier am Sonntag, den 19. Januar 2014 um 17.00 Uhr  im LITERARISCHEN SALON IM MUSEUM WUSTROW vor.

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März 2014: CHRISTOPH RANSMAYR: ICH SAH…

Im 2012 erschienenen Reisebuch “Atlas eines ängstlichen Mannes” beginnt jede der 70 Episoden ganz schlicht mit den Worten: Ich sah. Beide Wörter sind wichtig, sind Programm: I c h sah – alles Schauen, alles Beschreiben ist subjektiv. Ich s a h – und ich habe das alles wirklich erlebt. Ransmayr, pro forma in Wien ansässig, ist Reisender; unauffällig, mit Rucksack durch die ganze Welt: Arktis, Himalaja, gottverlassene Südseeinseln, aber auch Vorstadtstraßen daheim. Und er lässt uns die Welt miterleben.

Seine Romane sind ein Spiel mit der Zeit. In “Die letzte Welt” folgt ein Freund den Spuren von Ovid, der auf kaiserlichen Befehl ans Schwarze Meer verbannt und dort verschollen ist. Sind wir in der Antike, oder in der Jetztzeit, oder gar in beiden zugleich? Ransmayr zu lesen ist das Ergebnis einer – fast ist es peinlich zu sagen – exquisiten Sprache.

Nina Weniger liest aus dem Werk am Sonntag, den 23. März 2014 um 17.00 Uhr im LITERARISCHEN SALON IM MUSEUM WUSTROW.

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Mai 2014: ICH HABE DREISSIG HEIMATEN – Walter Mehring (1896-1981)

“Katastrophen-Mehring” bespöttelten ihn befreundete Intellektuelle wie Tucholsky und von Ossietzky. Aber Mehring hatte die Gefährlichkeit der Nazis früher erkannt. Am Vorabend des Reichstagsbrands, am 26.02.1933, gelingt ihm buchstäblich im letzten Augenblick die Flucht aus Berlin – Exil. Silvester 1940/41 in Marseille – das Schiff nach Amerika wartet im Hafen – wird er den toten Freunden ein Klagelied widmen.

Walter Mehring gehört zu jener jüdischen geistigen Elite, die in den Wilden Zwanzigern die Schwarzen Listen der Nazis füllte. Im Mittelpunkt unserer Lesung steht sein satirischer Roman über den Rassenfimmel der Nazis “Müller – Chronik einer deutschen Sippe”. Er erschien 1934 im Wiener Exil und wurde drei Monate später durch Einwirken des deutschen Botschafters aus dem Verkehr gezogen.

Gero Wachholz liest im LITERARISCHEN SALON IM MUSEUM WUSTROW am Sonntag, den 04. Mai 2014 um 17.00 Uhr im Museum Wustrow.

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Juni 2014: STARKE FRAUEN

Wenn wir an Frauengestalten im Märchen denken, fällt uns wohl zuerst die böse Hexe ein, die Hänsel und Gretel auf ihren Speisezettel setzen will; oder Dornröschen, das vom Prinzen wachgeküsst werden muss. Märchen spiegeln die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Als im 19. Jahrhundert die Brüder Grimm Volksmärchen sammelten, war die vorherrschende Idealvorstellung: Eine Frau hatte bescheiden, passiv, duldsam und häuslich zu sein.

Maria Freund hat sich auf Entdeckungsreise nach anderen Frauen gemacht und sieben Märchen aus aller Welt ausgewählt. Sie stellt aktive Frauen vor, die mit Verstand, Witz, Kraft und Gefühl ihren eigenen Weg gehen. Da gibt es zum Beispiel in einem fröhlichen schottischen Märchen eine Hexe, die sich mit List und Zauber den Zugang zum bischöflichen Weinkeller verschafft.

Am 15. Juni 2014 um 17.00 Uhr stellt Maria Freund ihre “starken Frauen” im LITERARISCHEN SALON IM MUSEUM WUSTROW vor.

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Juli 2014: SOMMER-GÄSTE-SPIEL

Nicht vorlesen lassen, sondern selber schreiben heißt es diesmal im LITERARISCHEN SALON IM MUSEUM WUSTROW.

Die Gäste bekommen eine Liste mit 19 Personen (oder Tieren) unterschiedlichster Art in die Hand gedrückt. Dazu zehn verschiedene Spielorte. Nun können mutige Sonntagsnachmittagsautoren auswählen, welche Personen und welche Orte wohl Stoff für eine Geschichte bieten. Und dann: fröhlich drauflosschreiben. Diese Geschichten wollen im Anschluss sicher alle hören.

Bei schönem Wetter im Museumshof am Jeetzelufer. Klemmbretter, Papier und Stifte sind vorhanden.

Am Sonntag, den 27. Juli 2014 um 17.00 Uhr, geleitet von Christa Tornow, im Museum Wustrow.

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September 2014: ANNETT GRÖSCHNER: MOSKAUER EIS

“Ich wollte nie eine Autorin sein, die am Schreibtisch sitzt und darüber schreibt, wie eine Frau am Schreibtisch sitzt.” – Gröschner. Und wenn man diesen Satz überdenkt, kommt es einem so vor, als gäbe es darüber tatsächlich schon viel zu viele Bücher.

Annett Gröschner, 1964 in Magdeburg geboren, studierte Germanistik zuerst in Ostberlin, nach der Wende in Paris. Heute ist sie Mitarbeiterin renommierter Zeitschriften, von Forschungs- und Ausstellungsprojekten und – schreibt Bücher. Bevorzugte Themen: die Geschichte der DDR und der Wende und die Veränderungen, die dadurch über die Ostdeutschen hereinbrachen. “Die Umbrüche haben bewirkt, dass ich die Trauer hinter mir ließ und ironisch wurde.” In ihrem Roman “Moskauer Eis” entwickelt sie die Geschichte und den Fall der DDR anhand einer Dynastie von Tiefkühlkostforschern – mit einem rabenschwarzen Humor, wie er in der deutschen Literatur äußerst selten ist.

Ruth Meyer liest am Sonntag, den 07. September 2014 um 17.00 Uhr im LITERARISCHEN SALON IM MUSEUM WUSTROW.

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Oktober 2014: SPÄT GEBOREN

Der LITERARISCHE SALON IM MUSEUM WUSTROW widmet sich diesmal zwei Dichtern der Antike: Dem in Syrien geborenen Griechen Lukian ( geb. um 120 u.Zt. ) und dem Römer Decimus Maximus Ausonius ( im 4. Jh. ). Beide waren kulturelle Erben untergehender Epochen und beide hochgebildet. Bald wird von der früheren Größe ihrer Völker nur noch Erinnerung übrig bleiben. Endzeitliteratur. Bildungsgut wird zum Spielmaterial – für Lukian der Umgang mit der griechischen Geschichte und Götterwelt; für Ausonius die berühmten und gefeierten römischen Autoren – Vergil als Baukasten. Ausonius verdanken wir übrigens die erste literarische Darstellung einer deutschen Flusslandschaft, der Mosel. Trier war die römische Machtzentrale diesseits der Alpen. Römisches Know-how im besetzten Germanien. Das fünfzehnseitige Gedicht “Mosella” wirkt wie ein Abschiedslied. Wenige Jahre später wird Trier von den Germanen besetzt und geplündert.

Gero Wachholz stellt die beiden Autoren am Sonntag, den 19. Oktober 2014 im Museum Wustrow vor.

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November 2014: KIEW 1918: DIE WEICHENSTELLUNG ?

Michael Bulgakow und die russische Emigrantin Nadesha Teffy waren Augenzeugen des ukrainischen Bürgerkriegs 1918 zwischen der weißen Garde, deutschen Besatzern, den Horden des politischen Abenteurers Symon Petljura und der Roten Armee.
Der LITERARISCHE Salon im MUSEUM WUSTROW bietet eine Collage aus Texten der beiden Autoren. In Kiew hatte der Konflikt zwischen ukrainischen Nationalisten und Russland, der zur Zeit wieder eskaliert, 1918 sein Vorspiel. Wie im Spiegel präsentiert sich das Dilemma des Vielvölkerstaats Ukraine, das offenbar so unlösbar ist wie die Situation zwischen Israel und Palästina.

Michael Bulkakow (geb. 1891 in Kiew) wurde berühmt als Autor des Romans „Der Meister und Margarita“. Teffy (geb. 1891 in Russland) war eine gefeierte Satirikerin im Zarenreich. Nach der Revolution von 1917 wurde es für sie in Moskau gefährlich. Sie floh – wie viele Emigranten – nach Kiew und kam dort vom Regen in die Traufe.
Der Lesung zugrunde liegen Bulkakows Roman „Die weiße Garde“ und die Erinnerungen von Teffy, die unter dem Titel „Champagner aus Teetassen“ vor kurzem zum ersten Mal auf Deutsch erschienen sind.

Nina Weniger und Wolfgang Kaven lesen am Sonntag, den 23. November 2014 um 17.00 Uhr im LITERARISCHEN SALON IM MUSEUM WUSTROW.”