Projekt STADT|LAND|FLUCHT des Museums Wustrow 2016/2017, gefördert von der KULTURSTIFTUNG DES BUNDES

Stadtmuseen sind Orte der urbanen Geschichte und Identität

Seit 2015 befindet sich das Museum Wustrow in einem Prozess der Öffnung. Stadtmuseen sind Orte der urbanen Geschichte und Identität. Sie sind ein Angebot zur Orientierung und eine Aufforderung zum lebendigen Austausch über eine Stadt oder Region. Daher sind sie besonders geeignet, gerade auch neue Bevölkerungsgruppen anzusprechen und zur Mitarbeit einzuladen. Wie nutzt man also die Potentiale des Regionalmuseums um für die Ortsansässigen und Sesshaftwerdenen von Relevanz zu sein und identiätsstiftend zu wirken? Ausgehend von dieser Frage entwickelten wir ein Konzept, das mit veränderten Vorstellungen von BesucherInnen und Museum operiert. Wir sprachen die Menschen direkt als Alltagsexperten an. Ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Sichtweisen bildeten die eigentliche Grundlage der Ausstellung selbst. Gesammelt wurden Objekte, vor allem aber die Geschichten dahinter. Acht von ihnen wurden in dezentral in leerstehenden Ladenlokalen, den Zeitfenstern, ausgestellt.

Museum öffne dich! ist gleichermaßen Metapher und Methode, im Sinne einer inhaltlichen Öffnung und einem tatsächlichem Verlassen des „Hoheitsgebietes Museum”. Die Zwischennutzung des Leerstandes als erweiterte Ausstellungsfläche sorgt dabei für Irritation und Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und kreiert Situationen, in denen Menschen, auch zufällig, miteinander in Kontakt treten und sich austauschen. Das Museum steht mit den Zeitfenstern in Wechselwirkung. In einem offenen Depot finden sich die korrespondierenden Geschichten als Tonaufnahme der Objektgeber. Das gesprochene Wort wird zum Vermittler von Geschichte(n) und fördert ein aktives Umgehen mit alltäglich geteilten Erfahrungen und gemeinsamen Erinnerungen. Das Museum wandelt sich von einem Ort, an dem Dinge gezeigt werden zu einem Ort, an dem Dinge passieren können.

Um auch in Zukunft den immer komplexer werdenden Alltag und das Lebensgefühl unserer Region abbilden zu können, wird es für uns als Museum immer bedeutender, Netzwerke zu knüpfen und gemeinsam mit Partnern an den aktuellen Fragen der städtischen Gesellschaft zu arbeiten. Die neuen Partnerschaften müssen andersartige Prozesse der Museumsarbeit möglich machen und zulassen. Grundlage sollte ein Thema sein, dass die unterschiedlichen Sicht- und Arbeitsweisen von Museum und Partner sinnvoll miteinander verbinden kann, beispielsweise “Flucht und Migration”. Zu diesem Thema arbeitet sowohl das Museum als auch die Kurve Wustrow. Aus der Zusammenarbeit könnten sich spannende Synergien ergeben und es ließe sich das Thema in seiner Komplexität und seiner historischen wie aktuellen gesellschaftlichen Bedeutung weit umfassender bearbeiten, als es eine der beiden Institutionen alleine vermag.

Sarah Bäcker, Elke Meyer-Hoos

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